Viennale 2014 – 11 Tipps, kein Viggo

Viennale 2014 – 11 Tipps, kein Viggo

Nachdem Will Ferrell voriges Jahr tatsächlich von der Gartenbau-Kinobühne herunter T-Shirts verschenkt hat, sieht es heuer im Gästedepartment wieder davidfinchermäßig düster aus. Was hilft ein Viggo-Mortensen-Tribute – ohne Viggo? Champagner sauft man ja auch nicht ohne Kohlensäure.

Ob die Viennale ‘14-Tasche wieder verlässlich schirch ist wie die Plastikdesaster aus den Jahre davor? Keine Ahnung, wegen Zeitmangel ging sich die Pressekonferenz leider nicht aus. Verpasst wurden: die überlange Ansprache von Festivaldirektor Hurch, die Info, was heuer in den Gratisnaschsackerln steckt (ja keine Experimente, Casali!!), und die Weinkrämpfe angesichts der Viggo-losen Gästeliste.

Eine Viennale ohne Stars, dafür mit einer Filmliste, die den magischen Zehnerblock um eine Karte überschreitet. Verrückt.

1. The Airstrip
Heinz Emigholz, D 2013
Heinz Emigholz macht, was Menschen mit ADHS als Folter bezeichnen würden. Er filmt Architektur in langen, unkommentierten Einstellungen. Der bessere James Bening, weil: Häuser.

2. Birdman
Alejandro González Iñárritu, USA 2014
Edward Norton in lächerlichen Unterhosen, Michael Keaton als abgetakelter Schauspieler auf manischem Comebacktrip. Und der letzte Film, in dem Zach Galifianakis noch seine fantastische alte Figur hat.

3. Clouds Of Sils Maria
Olivier Assayas, F 2014
Für Kristen-Stewart-Komplettisten ein Pflichtfilm, erschwert leider durch die Anwesenheit von Juliette Briochebinoche. Laut Viennale ein “zwischen Eitelkeit, Selbstzweifel, Melancholie, Celebrity-Kult und Unschuldsverlust nach der Wahrheit eines Künstlerlebens und nach der Gültigkeit der Kunst suchender Film”. Kann Assayas dem Cronenberg-Meisterwerk “Maps to the Stars” noch was draufsetzen? We’ll see.

4. Frank
Lenny Abrahamson, GB/IRL 2014
Michael Fassbender mit Maske ist wie eine Mannerschnitte, die tagelang in den Untiefen der Tasche verbröselt. Verschwendet. Und dann steckt man die Restln doch in den Mund.

5. Heaven Knows What
Benny Safdie, Joshua Safdie, USA 2014
Das Wagnis Mumblecore wurde heuer ausgelassen, das Wagnis Sozialdrama mit crazy Hauptdarstellerin eingegangen. Es könnten 93 Minuten des Wahnsinns werden. Im Guten wie im Schlechten.

6. Listen Up Philip
Alex Ross Perry, USA 2014
Jason Schwartzman, Elizabeth Moss und Regisseur Alex Ross Perry (ein guter Mann, er ging, als er 2011 mit “The Color Wheel” bei der Viennale war, allein in den Tiergarten Schönbrunn, vermutlich zum Pandagehege) sind die drei besten und einzig notwendigen Gründe, sich diese “Unmotiviert grantiger Schriftsteller geht allen auf die Nerven”-Story anzuschauen.

7. Little Accidents
Sara Colangelo, USA 2014
Weil der Bub auf dem Filmfoto derjenige ist, der mit dem ebenfalls großartigen Tye Sheridan durch “Mud” driftet und fast vergessen macht, dass da auch Matthew McConaughey mitspielt.

8. Pasolini
Abel Ferrara, F/B/I 2014
Man muss dem Mann 13 Jahre nach dem desaströsen “‘R Xmas” und dem darauffolgenden Bannfluch wieder eine Chance geben. Dass Willem Dafoe den PPP spielt, spricht ja auch nicht gerade dagegen.

9. Pulp: A Film About Life, Death and Supermarkets
Florian Habicht, GB 2014
Jarvis Cocker ist der Grund, warum man selber immer wieder wie ein genderverwirrter Geografielehrer in Hemden und Tweedsakkos herumläuft und von Dancemoves träumt, die der eigene Körper nicht ums Verrecken hergibt.

10. The Big Melt
Martin Wallace, Jarvis Cocker, GB 2013
Aufstieg und Fall einer Stahlmetropole. Eine Doku über das Linz Englands kann nur interessant sein.

11. The Indian Runner
Sean Penn, USA 1991
Viggos zweitbester Film nach “The Passion of Darkly Noon”, den das Viennale-Tribute unerklärlicherweise nicht zeigt. Regisseur Sean Penn hatte damals übrigens nach den Zornbinkerljahren mit Madonna gerade Robin Wright kennen gelernt, war zum ersten Mal Vater geworden und sah, im Gegensatz zu jetzt, auch noch nicht so aus, als würde ihm rund um die Uhr ein Glas Essiggurkerl hochkommen. Gute wie alte wie vergangene Zeit.

Foto: Viennale