Wos schaustn so? 10 TV-Serien für 2016

Wos schaustn so? 10 TV-Serien für 2016

Ich hasse Listen, aber ich liebe meinen Serienpickezetttel. Der klebt unverwurstelbar als digitales Post-it auf dem Desktop und enthält wichtige Informationen wie „Fargo: S02 E05 nochmal schauen“ oder „The Knick: S02 fertig“. Fast noch essentieller: die untere Hälfte des Merkzettels mit der Auflistung der Startdaten künftiger Staffeln. Würde ich ohne „Broad City: S03 17.2.“ die erste Folge der dritten Season verpassen? Selbstverständlich. Ich merk mir ja nichts mehr. Ein paar Beobachtungen zum Serienjahr 2016.

(Eh klar, aber: Bitte nur weiterlesen, wer bei den angeführten Serien am neuesten Stand ist.)

Broad City: S03 17.2.
Jaja, ich sag es eh viel zu oft, aber hier ist es angebracht. „Broad City“ ist DIE BESTE SERIE zu ALLEN THEMEN, die es gibt. Zu enge Stretchkleider, Hitzeanwandlungen im Sommer/im Winter/überall, stinkende Umkleidekabinen, sterbenslangeweilige Arbeitskollegen, Alkoholfauxpas auf Partys, die absolut dysfunktionalste Bobo-Dinnerparty mit Patricia Clarkson und Leo Fitzpatrick, St. Marks Place, Wuckerln, Pakete abholen am Ende der Welt. Wollte man den Elmayer für Millennials neu schreiben, würde ich Abbi und Ilana als Autorinnen vorschlagen. Und sollte ich je ein Haustier haben, es wird Yas Queen heißen. Yas Queen!!

Togetherness: S02 21.2.
Was wurde eigentlich aus der Schauspielerin von Peter Jacksons „Heavenly Creatures“, die nicht Kate Winslet ist? Genau – der beste Grund, sich die zweite Staffel von Togetherness anzuschauen, auch wenn man sich danach die vielleicht noch in Spurenelementen vorhandene Illusion von ewigem Liebesglück und harmonischer Paarzweisamkeit aufselchen kann. Allein die Stimme von Melanie „Heavenly Creature“ Lynskey. Lavaweich geschmolzenes Nutella. In meiner Version der Odyssee singen die Sirenen mit Lynskeys Stimme. Dass sie in der letzten Folge der ersten Staffel im Hotel nach anfänglichem Zögern doch die Hotelzimmertür für David aufsperrt, während Ehemann Mark Duplass mit qualmenden Reifen zu ihr unterwegs ist, lässt einen mit James Blake im Autoradio heulen. WIE GEHT DAS WEITER? NICHT GUT.

Girls: S05 21.2.
„Eine mit der anderen erschlagen wollen“, beschreibt das Gefühl beim „Girls“-Schauen leider oft ziemlich treffend. Aber dann kommen Folgen wie „Home Birth“, das Finale der vierten Staffel, und man will sie wieder alle heiraten, bis auf Gaby Hoffmann, die hat zu viel Augenbrauen, und Hannah/Lena will man in den Hintern treten und sagen: No, geht doch. Obwohl: Wie sie die Szene mit Adam im Krankenhaus-Babyzimmer handelt, ist, zugegeben, wirklich gut. Im Trailer zu den neuen Folgen sind jedenfalls alle blond oder haben neue Frisuren und quengeln sich, so viel ändert sich nicht, immer noch so beknackt an wie früher. Und Allison heiratet offenbar den grausigen glotzäugigen Desi, obwohl der sie beim Debütkonzert allein sitzen/singen hat lassen. Zum großen Glück ist auch Adam Driver wieder dabei, der neuerworbene Star-Wars-Ruhm wird ihn, wenn, erst nächste Staffel abziehen.

Unbreakable Kimmy Schmidt: S02 März 2016
Unbreakable! They Alive, Damnit! It’s a miiiracle. Unbreakable! They Alive, Damnit! But Females are strooong as Hell.“ Der beste Einsatz von Autotune in der Geschichte des Musikschaffens und der hartnäckigste Ohrwurm aller TV-Intros. Ellie Kemper als Fritzl-/Natascha-Kampusch-/Sekte-des-Wahnsinns-Überlebende und Jon Hamm als sagenhaft blöder Sektenguru, das war die mit Abstand unterhaltsamste Serienpaarung des vergangenen Jahres. Dafür nerven manche Nebenfiguren – Tim Blake Nelson als Hillbillystiefvater, Kiernan Shipka als Stiefschwester Kymmi – gewaltig. Detto, dass Titus Burgess immer singt, wenn die Emotionen hochschlagen. Klingt jetzt nicht unbedingt nach Empfehlung, zweite Staffel wird aber trotzdem geschaut, auch wenn Jon Hamm nicht mehr dabei ist.

Game of Thrones: S06 April 2016
Wird Melisandre the Bitch endlich sterben? Bleibt Arya blind? Lässt sich Cersei nach dem Walk of Shame wieder die Haare wachsen? Wacht Sansa irgendwann aus ihrem Wachkoma auf? Wen bringt Littlefinger als nächstes um die Ecke? Wohin verschlägt es Daario and Jorah? Was ist mit Bran? Was ist mit Hodor? Was ist mit Jamie? Hat Daenerys endlich eingesehen, dass sie nicht alle Sklaven befreien kann? Wann überrennen die White Walkers die Wall? LEBT JON SNOW NOCH?

Silicon Valley: S03 April 2016
Nerds, Nerds, Nerds. Nerds, Nerds, Nerds. Yellow, red, black or white, add a little bit of moonlight for this intercontinental romance. Shy nerd, sexy nerd, they all like that fancy world. Champagne, a gentle song and a slow dance. Im wirklichen Leben versauen die IT-Boys aus dem Silicon Valley gerade langsam, aber sicher das, was vom Sixties-San-Francisco-Freigeist noch übrig ist. In „Silicon Valley“ bannen sie mich Woche für Woche mit Diskussionen über Algorithmen, Videokompressionsraten, Codecopyrights, Serversicherheit, Uploadgeschwindigkeiten, unnötige Apps etc. an den Fernseher (darf man noch Fernseher sagen?). Hätte ich Geld zu verschleudern, würde ich „MacGyver“ mit Jared in der Hauptrolle rebooten.

Orphan Black: S04 Mai 2016
Seit ich Tatiana Maslany voriges Jahr zufällig am Getreidemarkt-Zebrastreifen in die Augen geschaut habe (sie drehte gerade „Woman in Gold“ in Wien), kann ich der Klon-Serienschmonzette noch mehr abgewinnen. Ohne Tatiana wäre „Orphan Black“ pure Trash-Soap mit pseudowissenschaftlichem Blabla, mit Tatiana ist „Orphan Black“ spannender, mitreißender, unterhaltsamer als die erste Staffel „Revenge“, „American Horror Story“ und die Löwinger Bühne zusammen. Welche neuen Klone werden in Staffel 4 auftauchen? Wie viele Maslany-Perücken erlaubt das Budget noch? Und: Ist Michiel Huisman wieder dabei oder ist haben ihn die Klone endgültig an „Game of Thrones“ verloren?

Orange is the New Black: S03 Juni 2016
Okay, okay, wir habens verstanden, Piper hat nicht das beste Händchen für Girlfriends. Nachdem sie sich in der Vergangenheit schon von Alex linken ließ, fällt sie diesmal bereitwillig auf Aussie-Stella rein. Die ist aber mit Ende der Staffel 2 eh schon wieder Geschichte, weil, wie Natasha Lyonne, bis auf Weiteres in Max bzw. aus der Serie herausgeschrieben. Trust no bitch. Was bleibt von OITNB? Ruby Rose, the face who launched a thousand haircuts. Pousseys Leidensweg, Black Cindys Bekehrung, Boo und Pennsatucky, the oddest couple seit Tobi und Tobias und schließlich das Finale mit triumphalem Ausbruch und anschließendem Bad im Teich. Die neue Staffel braucht unbedingt wieder eine/n richtige/n Böse/n. Ist Vee ganz sicher tot?

Masters of Sex: S04 Juli 2016
Viele Fans sind Bill Masters und Virginia Johnson mittlerweile weggebrochen. Verständlich, hat sich die dritte Staffel zwischendurch ganz schön in dahinplätschernden Belanglosigkeiten und Nebenhandlungen verzettelt. Ich sage nur Libby und der Nachbar, das ewige Hin und Her von Gini mit Dan Logan, Tessa, the teenager from hell, Bill als Footballtrainer wider Willen, die elende Surrogate-Studie (gähn gähn gähn). Wegen Lizzy Caplan, Michael Sheen und den leider immer spärlicheren Auftritten von Austin Langham gibt man „Masters of Sex“ dann doch immer wieder eine Chance, jetzt aber vielleicht zum allerletzten Mal.

Broadchurch: S03 2016
Die Klippe ist tatsächlich so steil, wie sie in „Broadchurch“ aussieht. Ich habe sie vergangenen Mai mit Müh und Not und arger Schnauferei erklommen. Die Wohnwagensiedlung ist genauso trist, die Landschaft genauso malerisch, das Möwengeschrei genauso unheimlich wie in der Serie. Nur dass in Dorset niemand so schön „Braaaadchurch“ sagt wie David Tennant. Sind ja keine Schotten dort, und den Ort gibts schließlich auch nicht in real life. Aber die dritte Staffel kommt. Irgendwann in diesem Jahr. Juhuuu.

Foto: Vulture